Unser Hackday-Thema war Yayoi Kusama. Ihre Infinity Rooms, die Punkte, dieses ständige Wiederholen bis sich das Selbst irgendwie auflöst. Ich wollte etwas bauen, das sich genauso anfühlt. Angefangen habe ich mit zwei Augen die folgen, dann kamen Tentakel, dann noch mehr Augen die auch blinzeln. Irgendwann hab ich gemerkt, dass ich Kusama nur nachbaue statt etwas Eigenes zu entwickeln. Also habe ich alles weggeworfen und mit ml5.js FaceMesh neu angefangen. Das eigene Gesicht live in 468 Landmarken zerlegt und von jedem Punkt aus farbige Strahlen zum Rand des Canvas. Die Strahlen sehen für mich aus wie Overthinking, wie Gedanken die einfach nicht aufhören. Der Titel kam ganz am Schluss. Das ist alles was wir haben. Dieses eine Gesicht, dieses eine Leben.
Ich wollte zwei Augen bauen, die der Betrachterin per Webcam folgen. Die Idee war, dass das unheimlich wirkt weil man von sich selbst angeschaut wird.
Das Echtzeit-Tracking hat gut funktioniert und die Augen haben wirklich creepy gewirkt. Aber es blieb mir zu direkt, zu sehr ein einzelnes Symbol. Kusamas Wirkung entsteht nicht durch ein einzelnes Motiv, sondern durch Wiederholung und Masse bis etwas kippt.
Die Idee von der Selbstbeobachtung war richtig. Aber zwei Augen allein reichen dafür nicht.
Ich wollte das Auge weiterentwickeln und habe Tentakel mit gelben Punkten ergänzt, eine direkte Referenz an Kusamas Soft Sculptures und ihre Pumpkin-Arbeiten. Schwarz als Grundfarbe, gelbe Punkte entlang der Tentakel.
Die Verbindung zu Kusama war jetzt viel deutlicher. Die Tentakel haben dem Auge eine Art Körper gegeben und die gelben Punkte auf Schwarz sind ein klares visuelles Zitat. Aber das Ganze blieb illustrativ, eher ein Tribut als eine eigene Aussage.
Das Prinzip der Wiederholung entlang der Tentakel hat mich auf eine Idee gebracht: was wenn statt der Punkte wieder Augen kommen?
Die Punkte auf den Tentakeln durch kleine Augen ersetzen und diese zusätzlich blinzeln lassen. Wiederholung als gestalterisches Mittel, direkt abgeleitet aus Kusamas Arbeitsweise.
Die Häufung der Augen entlang der Tentakel hatte eine obsessive Qualität, die sich näher an Kusama angefühlt hat als alles davor. Aber irgendwann hat mich das gestört: ich baue Kusama nach statt etwas Eigenes zu entwickeln. Das Thema war Kusama als Inspiration, nicht als Vorlage.
Den Schritt weg von der Referenz zum eigenen Konzept. Ich wollte die Auflösung des Selbst nicht illustrieren sondern erfahrbar machen.
Komplett andere Richtung: mit ml5.js FaceMesh das eigene Gesicht in Echtzeit in 468 Landmarken zerlegen und diese Datenpunkte direkt auf dem Canvas rendern, erstmal ohne weitere Stilisierung.
Schon die rohen Koordinaten hatten eine andere Qualität als alles davor. Das eigene Gesicht als reinen Datensatz zu sehen, keine Züge mehr nur noch Positionen im Raum, war beunruhigender als jedes gezeichnete Auge. Kusamas Thema der Selbstauflösung traf sich hier auf einer viel direkteren Ebene.
Die Landmarken allein reichten noch nicht. Der nächste Schritt war, von jedem Punkt aus Strahlen zu ziehen und die Energie nach außen zu tragen.
So sieht ein voller Kopf aus. 468 Gedanken gleichzeitig, in alle Richtungen. Manchmal muss man sie sich einfach anschauen, wie viele es sind, wie chaotisch. Und dann merken: das ist alles was du hast. Deinen Kopf, deine Gedanken, dieses eine Leben. This Is It.
Open Final SketchManchmal hilft es, sich den eigenen Kopf von außen anzuschauen. Zu sehen wie voll er ist, wie laut, wie wenig Kontrolle man eigentlich hat. Und dann zu merken, dass man irgendwann aufhören muss so viel darin zu leben. Das ist alles was du hast. Diesen Kopf, diese Gedanken, dieses eine Leben. This Is It. Ach ja, und die Abgabe heißt so weil ich auch nicht hundertprozentig happy damit bin. Aber irgendwie passt das.